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GEMEINSAM IM SINNE VON YOKO ONO: GLOCKENLÄUTEN FÜR DEN FRIEDEN VOR DER NEUEN NATIONALGALERIE

GEMEINSAM IM SINNE VON YOKO ONO: GLOCKENLÄUTEN FÜR DEN FRIEDEN VOR DER NEUEN NATIONALGALERIE

Wie klingt Frieden? Wenn es nach der Künstlerin Yoko Ono geht, wie das Zusammenspiel aus Glocken, die zu einem hellen Chor anschwellen. Über Frieden hat Yoko Ono in ihrem Leben und Schaffen immer wieder nachgedacht. Als junges Mädchen flüchteten ihre Mutter und sie während des Zweiten Weltkriegs aus Tokio, in den Sechzigern stellte sie sich gegen den Vietnamkrieg und heute protestiert sie gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Ihre Performance „Bells for Peace“, uraufgeführt 2019 in Manchester, setzt ein bewegendes Zeichen für Frieden und Verständigung. Sie erinnert mit dem partizipativen Werk an das Glockenläuten vom 11.11.1911, als in Europa und den USA der Waffenstillstand nach dem 1. Weltkrieg akustisch begleitet wurde. Diesen Sonntag lädt Ono – zum Abschluss ihrer Ausstellung „Dream Together“ in der Neuen Nationalgalerie – Berliner:innen ein, sich dem Glockenklingen anzuschließen und gemeinsam an eine bessere Zukunft zu glauben.

Alle, die Teil der Aktion werden möchten, kommen am 14.09.2025 um 16.45 Uhr auf die Terrasse des Museums und läuten gemeinsam für den Frieden. Bei der Premiere 2019 ertönten 4.000 handgefertigte und eigens für diesen Anlass gravierte Keramikglocken, begleitet vom mächtigeren Klang einer riesigen buddhistischen Glocke und antiker Kirchenglocken. Am besten bringst Du am Sonntag Deine eigene Glocke oder ein Glöckchen mit, denn ganz so viele Exemplare werden in der Neuen Nationalgalerie nicht zur Verfügung stehen – aber das Museum hält einen Vorrat bereit, damit Onos mehrstimmiger Glockenchor bis weit in den Tiergarten zu hören ist. In Zeiten wie diesen kommt er wie gerufen.

Text: Laura Storfner / Fotos: Iain Macmillan & David von Becker / Credit: Yoko Ono; Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin

Terrasse der Neuen Nationalgalerie, Potsdamer Str.50, 10785 Berlin–Tiergarten; Stadtplan

Abschluss-Performance von Yoko Ono im Rahmen von Perform! 2025 – Das vierte jährliche Performance-Festival zur Berlin Art Week. Yoko Ono: „Bells for Peace“ (2019/2025) 14.09.2025. Die Teilnahme ist kostenfrei.

@neuenationalgalerie

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LUFTKISSEN GEGEN DIE APOKALYPSE, ROADMOVIE GEGEN DEN MYTHOS: DIE BERLINISCHE GALERIE ZUR ART WEEK

LUFTKISSEN GEGEN DIE APOKALYPSE, ROADMOVIE GEGEN DEN MYTHOS: DIE BERLINISCHE GALERIE ZUR ART WEEK

Der Geburtstagssommer der Berlinischen Galerie neigt sich seinem Ende zu – bevor es aber vorbei ist, wird im Rahmen der Berlin Art Week noch mal eins draufgesetzt. Drei Künstler, zwei Formate, ein gutes Ende der Saison, die zwar nicht durchgehend sonnig, aber dafür feierlich war: In seinem ersten Langfilm Slack klettert Cyrill Lachauer zusammen mit Fotograf Mike Brodie auf Güterzüge und reist quer durch die USA – immer an den gesellschaftlichen Rändern entlang. Gesucht werden nicht nur verlorene Väter, sondern auch das, was Bilder noch leisten können in einer Welt, die längst von TikTok-Ästhetiken und Drogenkrisen geprägt ist. Im Zentrum: die Erinnerung an Brodies verstorbene Partnerin Mia Justice Smith, genannt Slack, deren Asche zum Symbol einer Generation wird, die sich zwischen Post-Punk, Drift und unbedingtem Freiheitsdrang versucht zu finden – und dabei den American Dream endgültig als Farce entlarvt. Slack (2025, 60 Min.) ist weder klassische Doku noch reine Fiktion, sondern ein filmischer Drift – poetisch und widersprüchlich. Deutschlandpremiere ist am Samstag (13.09.) im Babylon Kino*.

Andere Drifts bilden die Skulpturen von Abie Franklin und Daniel Hölzl: Nachdem letzterer anlässlich des 50. Jubiläums der BG mit seiner Arbeit „Soft Cycles“ das Vordach des Museums bespielt hat, zeigen die beiden jetzt im Rahmen vom Hallen Kunstfestival ihre Arbeit „Bycatch„. Aufblasbare Tetrapoden – jene kühl berechneten Küstenschutzkörper der 1950er-Jahre – wuchern wie organisches Schwemmgut. Der Titel verweist auf den „Beifang“ der Fischerei: All das, was unbeabsichtigt ins Netz gerät. So steht Bycatch für das Paradox unserer Gegenwart – dass jede Schutzmaßnahme selbst neue Gefahren produziert. Ein Sommer voller Spuren, der am Ende noch einmal in alle Richtungen treibt – Slack, Bycatch, Soft Cycles.

Text: Inga Krumme / Credit: Abie Franklin & Daniel Hölzl; Cyrill Lachauer

Berlinische Galerie, Alte Jakobstr.124–128, 10969 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan
Artist Talk Mit Cyrill Lachauer und Mike Brodie im IBB-Videoraum (in englischer Sprache) 14.09.2025 Eintritt frei, es wird um Anmeldung online gebeten.

Babylon Berlin, Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin–Mitte; Stadtplan
Slack Deutschland-Premiere 13.09.2025. Kostenlose Resttickets gibt es an der Abendkasse. 

Bycatch im Rahmen des Hallen 06 Kunstfestival (06.09.–14.09.2025), organisiert durch die Wilhelm Studios.

@berlinischegalerie 
@cyrilllachauer
@abiefranklin 
@hoelzldaniel
@hallen_kunstfestival

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WESSEN HEIMAT? — DAS HKW-FESTIVAL ÜBER ZUGEHÖRIGKEIT UND KOLONIALE SPUREN

WESSEN HEIMAT? — DAS HKW-FESTIVAL ÜBER ZUGEHÖRIGKEIT UND KOLONIALE SPUREN

Das Heimaten Festival beschäftigt sich mit Zugehörigkeit und Heimat und bietet Konzerte, Filmvorführungen und Diskussionen im HKW. Das Wort „Heimat“ beschreibt das Gefühl, zu Hause zu sein. Aber es hat auch eine dunklere Bedeutung, die von nativistischen Politiker:innen und Bewegungen genutzt wird, um Minderheiten auszuschließen, die ihrer Meinung nach Deutschland niemals als ihre Heimat bezeichnen können. Das Heimaten Festival, das am kommenden Freitag (12.09.2025) im HKW eröffnet wird, stellt diese Vorstellung auf den Kopf: Heimat bedeutet nicht, im „Vaterland“ verankert zu sein, sondern ein sich wandelndes Zugehörigkeitsgefühl, das Grenzen überschreitet. Das Programm läuft bis Dezember und umfasst Konzerte, Debatten, Workshops und Filmvorführungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum Auftakt im HKW (12.09.2025) veranstaltet das Hip-Hop-Kollektiv BSMG einen Abend des Widerstands durch Musik, bei dem es um koloniale Hinterlassenschaften und den globalen Rechtsruck geht. Am 13.09. folgt die Podiumsdiskussion „Is the Diversity Party Over?„, in der gefragt wird, wie antirassistische Initiativen politische Feindseligkeiten und sinkende staatliche Fördermittel überstehen können. Unterdessen stehen koloniale Ungerechtigkeiten im Mittelpunkt der Vorführung von „The Empty Grave„, einem Dokumentarfilm, der tansanische Familien auf der Suche nach den Überresten ihrer Vorfahren unter deutscher Herrschaft begleitet (14.09.).

Außerhalb des HKW wird Berlin Postkolonial und Aktivist Mnyaka Sururu Mboro eine Reihe von Witness Walks durch Berlin leiten, die sich mit der kolonialen Vergangenheit der Stadt auseinandersetzen (im September und Oktober). Gemeinsam stellen die Veranstaltungen Heimat neu dar und weisen auf eine Zukunft hin, die weniger Vaterland und mehr Wandel bedeutet.

Text: Benji Haughton / Fotos: Philipp Czampiel, Jonas Lumke & Hanna Wiedemann

Das Heimaten Festival findet von September bis Dezember 2025 im HKW und an weiteren Veranstaltungsorten statt. Das vollständige Programm der kostenlosen Veranstaltungen sowie eine Liste des Netzwerkes des Festivals findest Du auf der Website.

@hkw_berlin

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STILLSTAND GIBT ES NICHT — DIE GRUPPENAUSSTELLUNG STILL MOVING ERFASST BEWEGUNG IN ALL IHREN BEDEUTUNGEN DURCH KUNST AUS DEM SÜDLICHEN AFRIKA

STILLSTAND GIBT ES NICHT — DIE GRUPPENAUSSTELLUNG STILL MOVING ERFASST BEWEGUNG IN ALL IHREN BEDEUTUNGEN DURCH KUNST AUS DEM SÜDLICHEN AFRIKA

In der Gruppenausstellung bei Bode denken Stimmen aus dem südlichen Afrika Bewegung neu – politisch, poetisch, persönlich. Berlin ist im September immer ein bisschen im Ausnahmezustand. Volle Stadt, volle Straßen, volle Köpfe, Back to School – alles scheint in Bewegung. Passender könnte der Titel der Ausstellung, die morgen (05.09.2025) bei Bode eröffnet, also kaum sein: Still Moving. Und auch inhaltlich könnte es kaum einen besseren Zeitpunkt für die Schau geben, als gerade jetzt, wo sich doch alle ein bisschen um sich selbst zu drehen scheinen. Kuratiert von der Choreografin und interdisziplinären Künstlerin Jessica Nupen, versammelt die Gruppenschau Stimmen aus dem südlichen Afrika, die Bewegung nicht als bloßes physisches Phänomen, sondern als politische, poetische und persönliche Erfahrung begreifen. Die Werke reichen von Malerei über Skulptur bis hin zu installativen Arbeiten und eröffnen dabei einen Dialog zwischen Erinnerung, Widerstand und Ritual. Renommierte Künstler:innen wie William Kentridge, Sam Nhlengethwa und Misheck Masamvu treffen auf jüngere Positionen wie Boemo Diale, Nthabiseng Kekana, Frances Goodman und Rosie Mudge.

Die Kuration zeigt, wie unterschiedlich Bewegung gedacht und sichtbar gemacht werden kann. Kentridge, international bekannt für seine verspielten Bewegtbilder und dynamische Zeichnungen, spielt mit Auslöschungen und Widersprüchen der Geschichte; Nhlengethwa verwandelt Jazz in eine visuelle Sprache des Überlebens und Masamvu malt mit roher, rhythmischer Energie das fragile Terrain Simbabwes. Diale und Kekana wiederum begreifen den Körper als Archiv, Goodman als Schlachtfeld, Mudge als glänzende Oberfläche voller Widersprüche. Gemeinsam ergibt sich ein Panorama, das Bewegung als Choreografie von Identitäten, Erinnerungen und Räumen erfahrbar macht. Oder wie Nupen selbst sagt: „Die Ausstellung fordert uns heraus, unsere Vorstellungen von Bewegung neu zu denken“. Und vielleicht auch, sie neu zu fühlen: Bewegung als Transformation, als vorsichtige oder kraftvolle Geste, als etwas, das immer da ist und selbst in der Stille geschieht.

Text: Hilka Dirks / Credit: Boemo Diale; Misheck Masamvu; Sam Nhlengethwa; Bode

Bode, Karl-Marx-Allee 82, 10243 Berlin–Friedrichshain; Stadtplan

Still Moving bis 19.10.2025. Die Eröffnung ist am 05.09.2025. Live-Musikperformance von Bastian Duncker (Saxophon), Sebastian Böhlen (Gitarre) und Sidney Werner (Bass).

@bode.gallery

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EIN BISSCHEN PUNK, EIN BISSCHEN POESIE: HELGA PARIS‘ BLICK AUF DIE DDR BEI FOTOGRAFISKA BERLIN

EIN BISSCHEN PUNK, EIN BISSCHEN POESIE: HELGA PARIS‘ BLICK AUF DIE DDR BEI FOTOGRAFISKA BERLIN

Menschen, die ganz bei sich sind. Weil sie in Kneipen oder an Bushaltestellen selbstvergessen vor sich hinschauen. Oder auf der Straße, von einem Termin zum anderen eilend, keine Zeit haben, zu prüfen, ob die Frisur und das Lächeln sitzen. Diese Menschen waren Helga Paris immer die liebsten. Die ungeschminkten, ehrlichen Begegnungen fing die Autodidaktin Zeit ihres Lebens in schwarz-weißen Schnappschüssen ein. Bis heute erzählen ihre ungestellten Serien mit Titeln wie „Berliner Jugendliche“, „Mein Alex“ und „Hellersdorf“ immer auch vom geteilten Deutschland, das sie ganz nebenbei seit den Achtzigerjahren porträtierte. Die Ausstellung „Für uns„, mit der Fotografiska der 2024 verstorbenen großen DDR-Fotokünstlerin gedenkt, beweist aber: Ihre Bilder von Nachbar:innen, Müllmännern, Bäckern, Kellnerinnen und Altenheimbewohner:innen sind überzeitlich.

Paris suchte in ihren Sujets stets das Alltägliche und Verbindende. Wenn man in die Gesichter der Ost-Berliner Punks und die müden Augen der Kellnerinnen schaut, meint man ihre Blicke so oder so ähnlich auch heute in Kreuzberg oder Wedding finden zu können. Paris schönte das Raue nicht. Sie fand in bröckelnden Fassaden Schönheit. Ausgehend von ihrer Wohnung im Prenzlauer Berg begegnete sie der Welt um sich herum mit einer ehrlichen Zärtlichkeit, die sie jedem und jeder ohne Vorbedingungen entgegenbrachte: Ihre Porträts sind mit Fragen nach Herkunft und Klasse imprägniert, doch Paris verhandelt sie weder oberlehrerhaft noch voyeuristisch. Vor ihrer Kamera waren alle auf Augenhöhe – unabhängig davon, ob Paris Kneipenbesitzer oder Arbeiterinnen in Kittelschürzen verewigte. Denn — das beweist die vom ehemaligen Direktor der Nationalgalerie Udo Kittelmann feinfühlig kuratierte Schau im Fotografiska sehr eindrücklich — Helga Paris sah zuallererst den Menschen. Sie interessierte sich für ihr Gegenüber. Für uns.

Text: Laura Storfner / Credits: Nachlass Estate Helga Paris 

Fotografiska Berlin, Oranienburger Str.54, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan

Helga Paris: für uns 06.09.2025–25.01.2026
Exhibition Takeover 06.09.2025 19–23h. Tickets gibt’s hier.

@fotografiska.berlin

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