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GEHT SO DESIGNDISKURS? DIE CONCEPTUAL CONVERSATIONS VON TINA ROEDER

GEHT SO DESIGNDISKURS? DIE CONCEPTUAL CONVERSATIONS VON TINA ROEDER

Baby wir müssen reden – über Konzept. In ihren „Conceptual Conversations“ führt Tina Roeder seit einigen Jahren Talks im Bereich Design. Das erweiterte Talk-Format zwischen Ausstellung, Diskursraum und Werkpräsentation hat seinen Ursprung in einer Gruppenausstellung, die Tina (außerdem Mitgründerin der Conceptual Biennale) 2023 kuratierte. Verortet im Design, in Nähe zur Kunst und im Kontext von Architektur, versammelt das Format internationale, in Berlin ansässige Positionen, die Strukturen und Systeme kritisch befragen. Gäst:innen hatte sie schon einige: Neben für Berlins Designszene vielleicht etwas zu etablierten Gesichtern wie Sam Chermayeff, der Live Snacks zubereitete, über Anaïs Nyffeler & Jil Schuberth die zwischen Sportgerät Torte servierten und The Thing Magazine, die dazu einluden, ein liebstes gestohlenes Objekt mitzubringen. Ein übergreifendes Thema wird nicht vorgegeben; jede eingeladene Praxis entwickelt eine Präsentation ihres Werkkontexts, die ihre Arbeit als Haltung sichtbar macht. CC13 bringt am 26. Februar 2026 Fatma Cankaya und Inhwan Oh zusammen. Unter dem Titel „360 LIPO + BBL Package — design yourself!“ untersuchen sie den Körper als formbares Objekt und Identität als Material der Gegenwart. Ausgangspunkt sind hochästhetisierte Körperbilder, geprägt von Transformation, Celebrity-Kultur und digitaler Sichtbarkeit. Zur Diskussion stehen der Körper als skulpturale Form, Schönheit als gesetztes Statement und Identität als gestaltbares Projekt. Eingeladen wird wie immer zu Tina nach Hause, die Plätze sind begrenzt. Let’s talk concept.

Text: Inga Krumme / Fotos: Conceptual Conversations, Oliver Boualam, Pia Henkel

Studio Tina Roeder, Granseer Str.5, 10435 Berlin–Mitte; Stadtplan
Conceptual Conversations: CC13 mit Fatma Cankaya & Inhwan Oh 26.02.2026 19–22h

@tinasroeder
@fatmacankaya
@innipendent

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ZWISCHEN RITUAL UND REALITÄT: DIE BILDWELTEN VON GRACIELA ITURBIDE BEI C/O BERLIN

ZWISCHEN RITUAL UND REALITÄT: DIE BILDWELTEN VON GRACIELA ITURBIDE BEI C/O BERLIN

Magie und Überraschung gehören zu den Dingen, die die mexikanische Fotografin Graciela Iturbide bis heute antreiben. Überraschend begann auch ihre Karriere: Mit Ende zwanzig, als Mutter von drei Kindern, hörte sie 1969 im Radio eine Annonce der nationalen Filmhochschule Mexikos und beschloss kurzerhand, sich zu bewerben. Sie wurde angenommen und stieg schnell als Assistentin ihres Lehrers Manuel Álvarez Bravo auf, der heute als Begründer der mexikanischen Kunstfotografie gilt. Das Symbolisch-Fantastische und die Freude am Experimentieren beeinflussten auch Iturbide, die sich jedoch bald auf die Dokumentarfotografie spezialisierte. So folgte sie Anfang der Achtziger den nomadisch lebenden Seri für eine Reportage in die Sonora-Wüste. Traditionen, die zur mexikanischen Kultur gehören, spürte sie auch in ihrer Arbeit „La Matanza“ nach, für die sie das rituelle Ziegenschlachten in der Mixteca-Region begleitete. C/O Berlin wirft nun einen Blick auf das Gesamtwerk der heute 84-Jährigen: In enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin ist die Ausstellung „Eyes to Fly With“ entstanden, die neben ihren wichtigsten Serien einen besonderen Fokus auf die Rolle der Frauen in der mexikanischen Gesellschaft legt.

Exemplarisch dafür steht der Zyklus „Juchitán de las Mujeres“ über die indigene Bevölkerungsgruppe der Zapotek:innen. Über einen Zeitraum von fast zehn Jahren besuchte Iturbide immer wieder die kleine Stadt Juchitán im Bundesstaat Oaxaca, knüpfte Freundschaften und lernte die lokale Kultur kennen. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen die Frauen und die sogenannten Muxes – Menschen, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde, die sich jedoch nicht damit identifizieren. In Juchitán haben Frauen und Muxes bedeutenden politischen, wirtschaftlichen und spirituellen Einfluss. Iturbides Fotografien objektivieren oder exotisieren sie nie. Ihre Praxis ist vielmehr vom persönlichen Sehen beeinflusst: Iturbide begegnet den Modellen nicht als anonyme Außenstehende, sondern hält ihre eigenen Interaktionen mit der Gemeinschaft in Bildern fest. Respektvoll und subjektiv gestaltete sich auch ihre Auseinandersetzung mit der wohl bekanntesten Künstlerin Mexikos: Frida Kahlo. Jahre nach dem Tod der Malerin näherte sich Iturbide Kahlos Wohnhaus, dem Casa Azul in Mexiko-Stadt, als Wirkungsfeld und Pilgerstätte. Egal, wo Iturbide fotografiert – ob in ihrer Heimat oder auf Reisen – ihr gelingen intensive Porträts, aus denen stets ihre einfühlsame, kraftvolle Handschrift spricht. Ihre Bilder bewegen sich zwischen Dokumentation und Traumwelt. Sie sind fest in der Realität verankert, aber von so starker poetischer Sensibilität durchdrungen, als wolle Iturbide nichts weniger als die Magie des Alltags offenlegen.

Text: Laura Storfner / Fotos: Alhelí, Oaxaca, Mexiko, 1995; Nuestra Señora de las Iguanas, Juchitán, Oaxaca, Mexiko, 1979; Mujer ángel, Sonora-Wüste, Mexiko, 1979 / Credit: Graciela Iturbide

C/O Berlin, Hardenbergstr.22–24, 10623 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan
Graciela Iturbide . Eyes to Fly With“ bis 10.06.2026

@coberlin

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CAMPUS KU’DAMM: VON DER STRASSE LERNEN MIT UDK X BERLIN

CAMPUS KU’DAMM: VON DER STRASSE LERNEN MIT UDK X BERLIN

Wer in Berlin Kunst studiert, beginnt selten auf einer weißen Leinwand. Die Stadt ist kein neutraler Hintergrund. Ateliers liegen neben Spätis, Seminare enden am Kotti, Diskussionen reichen bis in die U-Bahn. Genau dort beginnt UdK x Berlin Pop-up Gallery. Vom 24.–26.02.2026 zeigt die Universität der Künste Berlin im Masumi Space, wie eng Studium, künstlerische Forschung und urbane Praxis miteinander verbunden sind. Die Kooperation mit dem Land Berlin, Berlin Partner und der UdK Berlin macht sichtbar, was sonst selbstverständlich wirkt: Stadt ist nicht nur Kulisse, sondern Campus, Arbeits- und Inspirationsraum. Studierende und Lehrende präsentieren Arbeiten in unterschiedlichen Formaten, aus unterschiedlichen Perspektiven, verbunden durch ein gemeinsames Interesse: Wie formen kreative Lehre und Forschung die Stadt? Und wie formt die Stadt kreative Lehre und Forschung? Zwischen Campus und Kiez entsteht ein Dialog zum Thema wie Kunst auf eine Metropole reagiert, die sich permanent verändert – und wie sie umgekehrt Impulse zurückgibt. Vertreten sind Positionen der Fakultäten Darstellende Kunst, Musik, Bildende Kunst, Gestaltung sowie Design Research Lab.

Sara Assadi zeigt mit „Berlin, ein visuelles Memoir“ ein gezeichnetes Tagebuch der Stadt: zwölf Bezirke, seriell verdichtet, als faltbares Kunstbuch mit skulpturalem Twist. Özkan Erteks „Acoustic Horizon“ ist eine drehbare, solarbetriebene Klangskulptur, die entfernte Geräusche in den Raum holt, Seonkyu Ohs „Holzzeit“ filtert Licht durch Holzquerschnitte und Ana Luiza Anjos zeigt mit ihrem Team „Roupa Velha“: Performance und Video aus alter Kleidung, die Erinnerungen speichert – und nachts durch Berlin zu tanzen scheint. Wer wissen will, wie sich Universität und Kiez gegenseitig prägen, sollte sich diese drei Tage vormerken. Der Eintritt ist frei, die Leinwand bunt.

Text: Emma Zylla / Credits: Clemens Fischer (Tag 3, 2026), Seonkyu OH (Holzzeit), Sally Frey (Spuren der Gewalt, 2025)

Masumi Space, Kurfürstendamm 229, 10719 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan
UdK x Berlin 24.02.–26.02.2026 13–20h

@udkberlin

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KULTUR STATT KITSCH — ZU ZWEIT DURCH BERLINS KULTURSZENE

KULTUR STATT KITSCH — ZU ZWEIT DURCH BERLINS KULTURSZENE

Rote Rosen, Pralinen, die eine viel zu lange Spaghetti, die es unvermeidlich macht, einander näher zu kommen… was darf es sein zum Heiligen Valentin? Ein Glück gibt es Abundo. Mit dem Berliner Kultur-Abo ist der Liebesmonat Februar kein Pflichtprogramm für Paare, sondern ein sanfter Schubs ins echte Leben: rein in die Säle, auf Tanzflächen, in Kinositze. Dorthin, wo man gemeinsam etwas erlebt, im Moment, fernab von kitschiger Tischdeko. Was also tun? Sich zum Beispiel in die Bohème Sauvage werfen – eine Nacht, die im besten Sinne zu viel will. Im Metropol gibt es Charleston, Swing, Absinth und große Gesten. Eintrittskarte in dieses rauschende Abenteuer sind Monokel und Federboas (Verkleiden macht Spaß!). Lieber zu zweit über das große Ganze philosophieren? Bei Sustainable Listening sitzt ihr nicht einfach im Publikum, sondern in einer begehbaren Klimakapsel. Musik der Staatskapelle Berlin trifft auf Live-Elektronik von den Gebrüdern Teichmann, dazu kommen Stimmen aus Klima- und Zukunftsdiskursen. Ein Abend zum gemeinsamen Zuhören und für Gespräche danach. Vielleicht doch Kontrollverlust? Kurt Schwitters’ Ursonate im Deutschen Theater ist keine klassische Vorstellung, sondern ein Lautgedicht, das Sprache auseinanderbaut und neu zusammensetzt. Ein Stück, das Konventionen freundlich zertrümmert. Entstanden in den 1920ern als dadaistische Revolte gegen Logik und Ordnung, ist die Ursonate bis heute frisch und sinnbefreit. Wer es klassisch liebt, hat vielleicht Lust auf Tango im Ballhaus Wedding. Mit Parkettboden, Marlene-Bar, DJ und der Freiheit, zwischendurch einfach zu verschwinden – auf einen Drink, in den Hinterhof und wieder zurück auf die Tanzfläche. Abundo ist ein Kultur-Abo, das den Februar etwas wärmer macht. Und Liebe passiert im echten Leben. Manchmal reicht eine lange Nudel, oft tut es ein guter Abend in der Stadt, um sich daran zu erinnern.

Text: Emma Zylla / Fotos: Abundo

Erfahre hier mehr über Abundo.

Für Momente zu zweit gibt’s derzeit das Abo für 18 Euro oder Solo für neun Euro im ersten Monat (regulär 29 oder 55 Euro). Als Cee Cee-Leser:in erhältst Du einen exklusiven Vorteil: Mit dem Code „ceeceegift“ sicherst Du Dir 20 Prozent Rabatt auf Geschenkkarten. Alle Tickets inklusive und jederzeit kündbar.

Metropol, Nollendorfplatz 5, 10777 Berlin–Schöneberg; Stadtplan
Bohème Sauvage 21.02.2026 21h

Staatsoper, Unter den Linden 7, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
Sustainable Listening 24.02.2026 21h

Deutsches Theater, Schumannstr.13A, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
Ursonate 21.02.2026 20h

Ballhaus Wedding, Wriezener Str.6, 13359 Berlin–Wedding; Stadtplan
Tango im Ballhaus Wedding 18.02.2026 24h

@abundoberlin

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IRGENDETWAS IST PASSIERT: EIN THEATERSTÜCK VON UND MIT FABIAN HINRICHS — EMPFOHLEN VON ANTJE DRINKUTH

IRGENDETWAS IST PASSIERT: EIN THEATERSTÜCK VON UND MIT FABIAN HINRICHS — EMPFOHLEN VON ANTJE DRINKUTH

Irgendetwas ist passiert“ heißt das neue Stück von und mit Fabian Hinrichs, in künstlerischer Kollaboration mit René Pollesch, an der Berliner Volksbühne. Der beiläufige Titel trifft präzise den Zustand, den der Abend verhandelt: das diffuse Gefühl, dass die Welt aus den Fugen geraten ist, während der Alltag unbeirrt weiterläuft. Hinrichs steht allein auf der Bühne und spielt in einer Doppelrolle das Paar Claudia und Paul im rasanten Ping-Pong. Ihre Dialoge schwanken zwischen Trennung und Nähe, Verzweiflung und banaler Intimität. Wenn Paul nach einem Streit vorschlägt, gemeinsam Nachrichten zu schauen und eine Massage anbietet, verdichtet sich darin die Ambivalenz einer Beziehung, die einst von großer Liebe getragen war – entstanden an jenem Abend, als in Fukushima ein Reaktor explodierte. Weltgeschichte und private Biografie sind von Beginn an verschachtelt. Diese Verbindung zieht sich durch den gesamten Abend. Hinrichs spielt mit der ihm eigenen nervösen, klugen und selbstironischen Präzision. Er klagt Leben, Liebe und den politischen Wahnsinn an – zwischen Angriff und Kapitulation. Während im minimalistischen Einfamilienhaus über Salat oder eine überteuerte Küchenarbeitsplatte gestritten wird, brechen über Ton und Bild Kriegsgeräusche, Nachrichtenfragmente und Gewaltbilder herein.

Claudia zieht sich zurück, schaut Pornos, dann wieder wird der Krieg in der Ukraine und Israels Gewalt in Gaza verhandelt. Vor dem Schlafengehen läuft American Psycho, unmittelbar danach erscheinen Bilder zerstörter Städte. Der Wunsch, den Fernseher einzuschlagen, wird zum Ausruf einer permanent informierten und zugleich ohnmächtigen Generation. Die Gegenüberstellung von bürgerlicher Komfortzone und globaler Katastrophe treibt das Stück an seine moralische Grenze. Luxuswerbung flimmert auf, private Dialoge und politische Abgründe werden ineinander geschoben. Wut, Überforderung und leise Töne wechseln sich ab. Dramaturgie und Technik sind so ausbalanciert, dass in neunzig Minuten keine Sekunde Langeweile aufkommt. Erinnerungen an die „Pollesch-Soloabende“ werden geweckt, zuletzt „Ja nichts ist ok“. Doch Hinrichs geht hier einen Schritt weiter: Gemeinsam mit seiner Frau Anne Hinrichs entstanden, ist das Stück radikal persönlich und fokussiert die existenziellen Zweifel einer Beziehung in Zeiten multipler Krisen. Dass Kritiker:innen dem Stück Boulevardhaftigkeit und seine Moral vorwerfen, war erwartbar. Doch gerade seine Unmittelbarkeit trifft einen wunden Punkt unserer Gegenwart: informiert, überfordert, privat verstrickt – und politisch gelähmt. Ein Theaterabend, der wehtut, klug ist und lange nachhallt. Geht rein!

Text: Antje Drinkuth / Fotos: Apollonia Theresa Bitzan

Antje Drinkuth ist Professorin für Modedesign und lebt seit 1987 in Berlin.

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Linienstr.227, 10178 Berlin–Mitte; Stadtplan

Irgendetwas ist passiert“ von Fabian Hinrichs, Anne Hinrichs & René Pollesch, 08. & 15.02. (ausverkauft), 14. & 22.03.2026. Tickets gibt’s hier.

@volksbuehne_berlin
@antje_drinkuth

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