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MIES HÖRT MIT — SOUNDSCAPES IM NATIONALGALERIEGARTEN

MIES HÖRT MIT — SOUNDSCAPES IM NATIONALGALERIEGARTEN

Der Berliner Konzertsommer hat viele schöne Bühnen, aber kaum eine klingt so gut wie diese. Ende August 2026 verwandelt sich der Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie wieder: Wie auch in den letzten Jahren knüpft die Reihe „Sound in the Garden“ wieder an eine noch aus den 1970er und 1980er Jahren stammende Tradition an. Internationale Acts vor einer Kulisse die ihresgleichen sucht! Den Auftakt macht ein Abend (12.08.), der sich auch den leiseren Tönen widmet. Der italienische Ambient-Pionier Gigi Masin zeigt, warum seine Musik seit Jahrzehnten Generationen von Produzent:innen beeinflusst: Zwischen minimalistischem Jazz und weitläufigen Synthesizerflächen entstehen nahezu schwebende Stücke. Ebenso innovativ aber etwas kantiger läuft es beim anderen Act an diesem Abend. Die Schlagzeugerin und Klangkünstlerin Valentina Magaletti hat sich mit der Elektro-Produzentin upsammy zusammen getan. Zusammen schaffen sie Klangfelder die deutlich rhythmusgetriebener aber manchmal ebenso meditativ sind. Einen Abend später (13.08.) wird es deutlich futuristischer. Das legendäre Detroit-Duo Dopplereffekt entwickelt eigens für den Garten ein neues Live-Set, in dem Elektro, Techno und Afrofuturismus zu einer kühlen, hypnotischen Science-Fiction fusionieren. Den Auftakt des Abends übernimmt aber Space Afrika, deren Soundwelten Ambient, Dub und fragile Melodien verbinden und den Raum langsam aufladen, bevor Dopplereffekt übernimmt. Der dritte Abend (14.08.) bringt drei spannende Positionen zwischen Filmkomposition und experimenteller Musik zusammen: Den Abend eröffnet die peruanische Harfenistin Eva Matin, die ihrem Moment durch liebevolle, aber ungewöhnliche Berührungen ganz ungewohnte Klänge entlockt.

Die Oscar- und Grammy-prämierte Cellistin Hildur Guðnadóttir ist ein Superstar der Filmmusik. In der Neuen Nationalgalerie präsentiert sie jedoch gemeinsam mit Sounddesigner Sam Slater eine Arbeit, in der mit selbstgebauten Instrumenten völlig ungewohnte Töne erzeugt werden. Ergänzt wird der Abend durch Slauson Malone 1, das Performance-Projekt von Jasper Marsalis, dessen fragmentierte Collagen aus Soul, Lo-Fi, Jazz und Spoken Word sich jeder Genrezuordnung entziehen und gerade deshalb so mitreißend sind. Den krönenden Abschluss (15.08.) übernimmt Krautrock-Ikone Michael Rother, dessen Arbeit mit NEU! das Genre Krautrock und die sogenannte Kosmische Musik entscheidend geprägt hat. Sein unverwechselbarer Motorik-Beat, schimmernde Gitarren und analoge Synthesizer gehören längst zum Fundament unzähliger Bands und Produzent:innen. Zum Abschluss am Sonntag rückt schließlich all day long Fujiko Nakayas Nebelskulptur selbst ins Zentrum. Im Dialog mit der Installation entstehen eigens entwickelte Soundarbeiten von minimalist Mastermind Alva Noto und Stephen O’Malley von Sunn O))), ergänzt durch Kompositionen von Ikone und langjährigen Kollaborateur Notos, Ryuichi Sakamoto, der diese für frühere Nebelskulpturen Nakayas geschaffen hat. Ein begehbares Zusammenspiel aus Architektur, Nebel und Klang – und vermutlich die atmosphärischste Möglichkeit des Sommers, durch den Skulpturengarten zu wabern.

Text: Inga Krumme / Fotos: Alonso Mujica, Dopplereffekt, Silvia Gin

Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str.50, 10785 Berlin–Tiergarten; Stadtplan

Sound in the Garden 12.–16.08.2026. Das komplette Programm & Tickets findest Du hier.

@neuenationalgalerie

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CAFÉ BRAVO — DAS TEAM HINTER OTTO, TRIO UND PLUTO ÜBERNIMMT DAN GRAHAMS IKONISCHEN GLASPAVILLON

CAFÉ BRAVO — DAS TEAM HINTER OTTO, TRIO UND PLUTO ÜBERNIMMT DAN GRAHAMS IKONISCHEN GLASPAVILLON

Es gibt kaum einen Berliner Innenhof, der so bekannt ist und den ich so oft besucht habe, wie den der KW Institute for Contemporary Art. In Mitte auf der Auguststraße, in einer ehemaligen Margarinefabrik, sind die KW die Geburtsstätte der Berlin Biennale und bis heute eine der wichtigsten Adressen für zeitgenössische Kunst. Im spiegelnden Glaswürfel des amerikanischen Künstlers Dan Graham hat das Bravo mit neuem Betreiberteam nun gerade wieder eröffnet. Die Geschichte des Pavillons begann im Winter 1994. Nach einem Vortrag an der damaligen Hochschule der Künste entwickelte Graham die Idee für einen Ort, an dem Kunst und Alltag ineinander übergehen – eine funktionale Architektur aus poliertem Edelstahl und zweiseitigem Spiegelglas, irgendwo zwischen Pavillon und öffentlichem Wohnzimmer. Gemeinsam mit der Berliner Architektin Johanne Nalbach entstand das Café Bravo – seine erste Skulptur, die ausdrücklich zum Sitzen, Warten und Kaffeetrinken gedacht war. Zur ersten Berlin Biennale 1998 wurde diese Idee Realität. Nun beginnt eine neue Ära: das Café Bravo ist die neuste und vierte Institution des Teams hinter den bekannten und allseits beliebten Spots OttoTrio und Pluto.

Im Juli 2026 übernahm die neue Generation: Clemens Roesch, Eva Alken, Sören Zuppke und Vadim Otto Ursus. Einer von ihnen ist auch hier in Mitte verwurzelt – Vadim ist nur wenige Schritte entfernt aufgewachsen. Gemeinsam mit den Berliner Architekten von Studio Affin wurde der Pavillon neu eingerichtet, ohne seine Offenheit zu verändern. Maßgefertigte Sitzbänke und Fensterborde aus Kirschholz von Hanna Rothhaus, ein geschwungener Edelstahltresen von Luca Lombardini entlang der offenen Küche, Regale in sattem Grün und warme Holztöne nehmen die Farbigkeit des Innenhofs auf. Statt mit der Architektur zu konkurrieren, verstärken sie ihre Wirkung. Die wöchentlich frischen Blumensträuße aus dem Brandenburgischen Buchholz von Meggie Schneider lassen das Innere des Cafés mit dem Garten „Archipel“ der französischen Landschaftsarchitekten Le balto, verschmelzen. Bravo versteht sich als Museumscafé im besten Sinne. Ein Ort, an dem die Welt und die Nachbarschaft aufeinandertreffen. Beide verstehen die Stadt nicht als Publikum und Kundschaft, sondern als Teil eines fortlaufenden Werks aus Kunst und Fürsorge. Das Bravo begleitet den Tag vom Morgen bis in den Abend hinein – mit einem ruhigen Rhythmus und einer Küche, die auf Saisonalität und Sorgfalt setzt: vom ersten Kaffee und einem kleinen Frühstück (z.B. gekeimtes Hafermüsli mit Haselnussmus & Kompott oder Stulle mit Heggelbachkäse und Tomate) über einen wöchentlich wechselnden Mittagstisch bis hin zu einem Glas Wein am Abend. Ein paar feste Snacks bleiben den ganzen Tag über auf der Karte, dazu gibt es selbstgebackene Kuchen und Gebäck. Hausgemachte Limonaden, „Bravo Eistee“, Wasserkefir, Kaffee und wild gesammelte Tees sowie eine kleine Wein- und Cocktailkarte erfrischen im heißen Sommer. Für mich fühlt es sich an wie die Wiederentdeckung meines persönlichen Berliner Klassikers. Oder, einfacher gesagt: einer dieser seltenen Berliner Orte, die sich anfühlen, als wären sie schon immer da gewesen. Bravo, Bravo!

Text: Milena Kalojanov / Fotos: Robert Rieger

Bravo, Auguststr.69, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan

@bravoberlin

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EINE AUSSTELLUNG, DIE NICHT STEHEN BLEIBT: „DRAUSSEN… UNTER KIEFERN“ IM BRÜCKE-MUSEUM

EINE AUSSTELLUNG, DIE NICHT STEHEN BLEIBT: „DRAUSSEN… UNTER KIEFERN“ IM BRÜCKE-MUSEUM

In Berlin verlierst Du zwischen Asphalt und Stadtkulisse schnell mal die Verbindung zur Natur. Was man aber manchmal aus den Augen verliert: man muss die Hauptstadt nicht verlassen, um den Asphalt gegen Grün einzutauschen. Genau mit diesem Gedanken bin ich in die Doppelausstellung „Draußen… Im Museum“ und „Draußen… Unter Kiefern“ ins Brücke-Museum gegangen. Das 1967 eröffnete Brücke-Museum liegt direkt am Grunewald. Viel passender könnte der Ort für die beiden Ausstellungen kaum sein. Beide beschäftigen sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur und damit, wie Museen Natur nicht nur zeigen, sondern mit ihr zusammenarbeiten können. Die Ausstellung beginnt im Museum: rund hundert Werke der Brücke-Künstler:innen, darunter Erich HeckelErnst Ludwig KirchnerMax Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff, treffen auf zeitgenössische Arbeiten des Ateliers le Balto und der Künstlerin Lizza May David. Schon hier entsteht das Gefühl, dass Innen- und Außenraum ineinander übergehen. Die großen Fenster holen den Wald ins Museum, während recycelte Holzschilder handbeschriftet aus organischer Farbe das Thema bis in die Gestaltung weiterführen. Im Vermittlungsraum „Outreach“, in Zusammenarbeit mit dem Zabriskie-Buchladen für Kultur und Natur und der Curando Initiative, wird aus dem Ausstellungsbesuch ein Dialog. Fragen wie „Was sehe ich, wenn ich an Natur denke?“ oder „Was verbindet mich mit anderen Lebewesen?“ richten sich direkt an Dich. Statt die Kunst nur wirken zu lassen, wirst Du dazu angeregt, selbst Stellung zu beziehen.

Durch diese Beiträge und ein Workshopprogramm verändert sich der Raum während der Laufzeit immer weiter. Mit diesen Fragen im Kopf geht es schließlich hinaus auf den Lehrpfad „Draußen… Unter Kiefern“. Hier wird das Konzept der Ausstellung besonders spannend: Die Kunst bleibt nicht im Museum, sondern wird Teil der Natur und ist dort Wind und Wetter ausgesetzt. Am Anfang des Pfades begegnet Dir Andreas Greiners Modell des Brücke-Museums, das sich mit der Zeit durch die Witterung verändern wird. Beschriftete Second-Hand-Spiegel weisen den Weg zu den einzelnen Stationen und lenken Deinen Blick automatisch stärker auf die Umgebung. Die Guerilla Architects bringen Dich durch ihre besonders platzierten Werke buchstäblich dazu, neue Perspektiven einzunehmen, während Club Real mit seinem „Betriebsrat der Lebewesen“ dazu anregt, Dich in die Lebewesen Deiner direkten Umgebung hineinzuversetzen. Mein persönlicher Favorit ist aber Jenny Kendlers „Venus“ aus Erde. Sie zeigt eine Skulptur, die uns allen als Marmorskulptur bekannt ist und normalerweise behutsam im Louvre aufbewahrt wird. Auf einmal reiht sie sich in den Grunewald ein und ist durch das Wetter alles andere als beständig. Statt die Kunstwerke vor dem Verfall zu schützen, macht das Brücke-Museum genau das Gegenteil sichtbar: Veränderung als Teil des Kunstwerks. Vielleicht ist genau das das Spannende an dieser Doppelausstellung. Sie zeigt Natur nicht nur als Motiv, sondern lässt sie selbst mitgestalten. Während die Ausstellung „Draußen… Im Museum“ vom 05. Juli bis zum 25. Oktober 2026 zu sehen ist, bleibt der Lehrpfad „Draußen… Unter Kiefern“ über mehrere Jahre bestehen. Keine Ausstellung, die beim zweiten Besuch genauso aussieht wie beim ersten.

Text: Isabelle Marten / Fotos: Nick Ash 

Brücke-Museum, Bussardsteig 9, 14195 Berlin–Dahlem; Stadtplan

@brueckemuseum
@lizzamaydavid
@zabriskiebuchladen
@andreas.greiner.berlin
@guerillaarchitects
@jennykendler

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